Schutzmantel – Subalternisierte Körper MACHEN SICH SICHTBAR in der Stadt

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Ein Projekt an der Schnittstelle der Bereiche maiz-Beratungstelle und maiz-Kulturarbeit im Zeitraum Juni – Dezember 2022

„Täglich ‚öffnen‘ überall auf der Welt tausende von Schwarzen Frauen die Stadt. Sie reinigen die Räume, die das Patriarchat und der neoliberale Kapitalismus zum Funktionieren benötigen.” (Françoise Vergès)

Die zunehmende Transnationalisierung migrantischer Alltagspraxen und ihrer Lebens- und Arbeitswelten wird in Publikationen, Studien, Medien und auch Kunst- und Kulturprojekte, noch relativ wenig wahrgenommen. Insbesondere dann nicht, wenn Migrantinnen* und geflüchtete Frauen* nicht als handlungsunfähige Opfer erscheinen, sondern als Kämpferinnen*, eingebettet in einen strukturellen Kontext rassistischer und sexistischer Ausbeutung der Arbeitskraft in der neoliberalen und neokolonialen internationalen Arbeitsteilung.

Das maiz-Projekt „Schutzmantel“ geht gegen den Strom der Logik der neoliberalen und neokolonialen Ordnung, die auf der Rhetorik der „Menschenrechte“ basiert, aber einen Großteil der Körper in der Welt missachtet, unterordnet und unsichtbar macht. maiz will mit diesem Projekt Körper, die durch die epistemische und strukturelle Gewalt des kolonialrassistisch-kapitalistischen-neokolonialen Systems rassifiziert und subalternisiert werden, ins Zentrum rücken.

Das Projekt richtet sich an rassifizierte Migrantinnen*, die entweder pensioniert oder im Rentenalter sind, jedoch keinen Anspruch auf eine Rente haben, da sie ihr ganzes Leben lang in prekären Beschäftigungsverhältnissen ohne soziale Absicherung gearbeitet haben.

Hauptziele des Projekts sind:

  • Die Erfahrungen, das Wissen und den Widerstand älterer Migrantinnen*, die durch die epistemische und strukturelle Gewalt rassifiziert, subalternisiert und unsichtbar gemacht wurden, sichtbar machen; 
  • Aufbau einer von unten gedachten kollektiven Zukunft, im Gegensatz zur neoliberalen kapitalistischen Logik;
  • Stärkung und Ausbau von Netzwerken älterer Migrantinnen* in der Stadt;
  • Förderung eines neuen Raums der Beteiligung und des kollektiven Gestaltens;
  • Zur Stärkung der Teilnehmerinnen* durch die Erfahrung der Selbst- und Gemeinsame/Kollektivfürsorge beitragen;
  • Care-Arbeiterinnen* werden als konstitutiver Teil der Stadt und ihrer Geschichte ein Stück weiter sichtbar gemacht.

In einer ersten Phase wurden Workshops mit partizipativen, kreativen Methoden, die den Körper mit einbeziehen, durchgeführt, um das Kennenlernen untereinander und den Austausch von Geschichten und Erinnerungen an Momente des Widerstands im täglichen Kampf zu fördern.

Das wichtigste Bindeglied, um diese Geschichten sichtbar zu machen, ist die Kunst der Fotografie. Jede Teilnehmerin wählte einen Ort in Linz, den sie mit ihrer Geschichte verbinden, insbesondere mit ihrer Erinnerung an Widerstandsmomente, als sie am meisten Schutz benötigten. Die Gruppe stellte ein kollektives Objekt, einen Schutzmantel, her, welches ein Inventar an Kraft-Bildern, -Welten, und -Quellen enthält, das ihrem Leben in der Stadt entnommen ist.

Zum Abschluss des Projekts findet eine Ausstellung mit den Fotos der Teilnehmerinnen* als Protagonistinnen* statt. Dies geschieht im Rahmen einer Veranstaltung der Universität der Ignorant_innen (getragen von maiz und das kollektiv), in einem Wissenslabor zum Thema Care-Flechtungen – Kämpfe verbinden

Das gemeinsam geschaffene Widerstandssymbol des "Schutzmantels" wird von den Teilnehmerinnen* der Veranstaltung als Symbol zur Stärkung der Kollektivität angeeignet, indem jede* ihn anziehen und sich fotografieren lassen kann. Diese Fotos werden den Hintergrund für die Bühne der Abendveranstaltung bilden.

Weiters wird erwartet, dass durch die Ausstellung der Fotos nicht nur in der Kunstuni-Galerie sondern auch an Bus- und Straßenbahnhaltestellen ein disruptiver Effekte in der Stadt erzeugen wird: „Es sind die subalternisierten Körper, die ihre Zeichen in der Welt hinterlassen.“ (Rita von Hunty)

 

Die Ausstellung „Schutzmantel gegen Rassismus“ findet an zwei Orten statt:

Im öffentlichen Raum: im Zentrum von Linz vom 27.10. bis 2.11., in den Auslagen von 6 Bus- und Staßenbahnhaltestellen: Taubenmarkt, Bürgerstraße, Hessenplatz, Untere Donaulände bei 7 vor Brucknerhaus, Promenade bei 27 und Stockhofstraße bei 34

In der "Galerie WHA" der Kunstuniversität Linz: 29.10 - 4.11. in der Domgasse 1,

Ausstellungseröffnung am 29.10.22 um 19:30

Ort: Kunstuniversität Linz, Domgasse 1

Nach der Veranstaltung ist sie nach Vereinbarung bis zum 4.11. geöffnet.


Protagonistinnen: Rubi Antonio, Elida Gil, Juana Gomera, Minerva Guillermo, Melania Suriel und Matilde Tejada

Fotografin: Pat Costa - @patcostaphoto

Textilkünstlerinnen: Erika Doucette & Rosel Postuvanschitz

Maskenbildner: Ronaldo Cosmo

Kuratorinnen: Amalia Barboza & Yuderkys Espinosa

 

Das Projekt wurde von der Jury von LINZimPULS 2022 ausgewählt und wird von der Stadt Linz-Kultur finanziert und von maiz mit Unterstützung der Kunstuniversität Linz realisiert.
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