Presseaussendung zum Internationalen Hurentag 2026

Presseaussendung
2. Juni  2026 – Internationaler Tag für die Rechte von Sexarbeiter*innen

Am 2. Juni 2026, dem Internationalen Tag für die Rechte von Sexarbeiter*innen, macht die Allianz Pro Sexwork auf moralisierende Einflussnahme gegenüber Sexarbeitenden aufmerksam. Gesellschaftliche Stigmatisierung, politische Kriminalisierung und religiös motivierte Akteur*innen, die unter dem Begriff „Seelsorge“ auftreten, verletzen Menschenrechte und untergraben die Selbstbestimmung von Menschen in der Sexarbeit. 

Sexarbeiter*innen sind weiterhin massiver gesellschaftlicher Abwertung ausgesetzt. Vorurteile, soziale Ausgrenzung und strukturelle Benachteiligung prägen ihren Alltag. Das erschwert den Zugang zu Wohnraum, Gesundheitsversorgung und Sozialleistungen. Gleichzeitig führen komplizierte Gesetze und Sonderpflichten zu zusätzlicher Belastung und erhöhen das Risiko von Ausbeutung. Migrantische Sexarbeiter*innen sind besonders betroffen, da sie häufig von politischer und kultureller Teilhabe ausgeschlossen werden. Ihre Situation wird zusätzlich durch Überwachung und rassistischem Profiling, Sprachbarrieren, einem prekären Aufenthaltsstatus, sowie eingeschränktem Zugang zu Beratung und Unterstützung erschwert.

Ein wesentlicher Teil dieser Stigmatisierung ist die moralische Bewertung von Sexarbeit. Die Berufswahl von Sexarbeiter*innen wird häufig nicht anerkannt, sondern als unmoralisch dargestellt. Dadurch wird ihnen vermittelt, ihr Leben auf illegitime Weise zu führen. Das verletzt grundlegende Menschenrechte, insbesondere das Recht auf Würde, freie Berufswahl und Schutz vor Diskriminierung. 

Diese moralisierende Einflussnahme betrifft besonders die körperliche Selbstbestimmung. Ähnliche Mechanismen zeigen sich auch bei Schwangerschaftsabbrüchen. In beiden Fällen werden persönliche Entscheidungen über den eigenen Körper und die eigene Lebensführung durch religiöse oder normative Vorstellungen in Frage gestellt und versucht diese zu illegitimieren.

In den vergangenen Jahren haben Positionen an Einfluss gewonnen, die Sexarbeit grundsätzlich ablehnen und eine Bestrafung von Kund*innen fordern. Dabei verwenden Anti-Sexarbeits-Bewegungen häufig den Begriff „abolitionistisch“, dieser stammt ursprünglich aus dem Kampf gegen die Sklaverei. Black Feminist Aktivist*innen lehnen diese Verwendung klar ab. Die Allianz Pro Sexwork schließt sich dieser Kritik an. 

Die Forderung nach Kundenbestrafung beruht auf der Annahme, Sexarbeit sei grundsätzlich Gewalt gegen Frauen und Sexarbeiter*innen müssten „befreit“ werden. Tatsächlich führt diese Politik nicht zu mehr Schutz, sondern verstärkt Stigmatisierung, Isolation und strukturelle Benachteiligung. Studien zeigen zudem, dass Kriminalisierung Gewalt gegen Sexarbeitende erhöht, weil die Arbeit in verborgene Bereiche verdrängt wird, in denen Sexarbeitende keinen Zugang zu rechtlichem Schutz und Unterstützung haben. Besonders stark betroffen sind Migrant*innen, die den Großteil der Sexarbeitenden in Österreich ausmachen und zusätzlich Rassismus sowie strukturelle Diskriminierung erfahren. 

Moralisierende Einflussnahme reduziert eine legale Erwerbstätigkeit auf Fragen von Anstand, Sünde oder Opferrollen. Dadurch werden Selbstbestimmung abgesprochen und wirksame Unterstützung behindert. Beratung für Menschen in der Sexarbeit muss selbstbestimmungsorientiert und ergebnisoffen sein. Sie darf Sexarbeitende nicht zum Ausstieg drängen. Menschenrechte sowie körperliche und wirtschaftliche Selbstbestimmung müssen uneingeschränkt auch für Sexarbeitende gelten. 

Besonders problematisch ist die Praxis religiös motivierter Gruppen, die unter dem Begriff „Seelsorge“ Kontakt zu Sexarbeiter*innen suchen. Oft ist nicht erkennbar, welche Angebote Selbstbestimmung respektieren und welche auf moralische Veränderung abzielen. Solche Interventionen blockieren Arbeitszeit, beeinträchtigen die freie Berufsausübung und verdrängen unabhängige Fachberatung. Damit werden die Rechte auf Privatsphäre, die negative Religionsfreiheit und der Schutz vor erniedrigender Behandlung verletzt. Religionsfreiheit endet dort, wo Druck auf andere Menschen ausgeübt und in ihre Rechte eingegriffen wird. 

Sexarbeiter*innen sind keine Objekte moralischer oder ideologischer Interventionen. Sie haben Anspruch auf die uneingeschränkte Achtung ihrer Rechte, ihrer Würde und ihrer selbstbestimmten Lebensrealitäten. 

Vor diesem Hintergrund fordert die Allianz Pro Sexwork:

  • Anerkennung statt Moralisierung sowie volle soziale und arbeitsrechtliche Absicherung von Sexarbeitenden 
  • finanzielle Förderung von Selbstorganisation und Interessenvertretung von Sexarbeitenden 
  • eine klare Trennung zwischen Fachberatung und religiös motivierten Angeboten 
  • einen sicheren Rahmen, der Sexarbeitende in beruflichen und öffentlichen Kontexten vor missionarischer Einflussnahme schützt
  • die Unterbindung von moralisierender Bevormundung, psychischem Druck und wirtschaftlicher Benachteiligung
  • Transparenz darüber, welche Angebote wertfrei und ergebnisoffen arbeiten 
  • die Abschaffung von Sonderverpflichtungen für die Berufsgruppe 

Am Internationalen Tag für die Rechte von Sexarbeiter*innen muss klar sein: Menschenrechte gelten universell und müssen auch in diesem Bereich konsequent umgesetzt werden. Unterstützung darf niemals an Bewertung oder Einflussnahme geknüpft sein.